25.Sonntag A 20.09.2026

 


Eröffnungsvers

Das Heil des Volkes bin ich - so spricht der Herr.
In jeder Not, aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören.
Ich will ihr Herr sein für alle Zeit.
Ehre sei Gott, S. 375 f.
Tagesgebet
Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Menschen sich ihm wieder zuwenden.

Erste LesungJes 55, 6-9

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
Lesung
aus dem Buch Jesája
.
6Sucht den Herrn, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
7Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum Herrn,
damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
denn er ist groß im Verzeihen.
8Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn.
9So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.


Antwortpsalm
Ps 145 (144), 2-3.8-9.17-18 (Kv: vgl. 18a)
Kv Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen. - KvGL 76, 1
2Herr, jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig.
3Groß ist der Herr und hoch zu loben, *
unerforschlich ist seine Größe. - (Kv)
8Der Herr ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Huld.
9Der Herr ist gut zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. - (Kv)
17Gerecht ist der Herr auf all seinen Wegen *
und getreu in all seinen Werken.
18Nahe ist der Herr allen, die ihn rufen, *
allen, die ihn aufrichtig rufen. - Kv

Zweite Lesung  Phil 1, 20ad-24.27a

Für mich ist Christus das Leben
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíp
pi.
Schwestern und Brüder!
20ad

Ich erwarte und hoffe,
dass Christus verherrlicht werden wird in meinem Leibe,
ob ich lebe oder sterbe.
21Denn für mich ist Christus das Leben
und Sterben Gewinn.
22Wenn ich aber weiterleben soll,
bedeutet das für mich fruchtbares Wirken.
Was soll ich wählen?
Ich weiß es nicht.
23Bedrängt werde ich von beiden Seiten:
Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein -
um wie viel besser wäre das!
24Aber euretwegen
ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
27aVor allem:
Lebt als Gemeinde so,
wie es dem Evangelium Christi entspricht!


Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. Apg 16, 14b
Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.
EvangeliumMt 20, 1-16
Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
1Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen hinausging,
um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg.
3Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus
und sah andere auf dem Markt stehen,
die keine Arbeit hatten.
4Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Ich werde euch geben, was recht ist.
5Und sie gingen.
Um die sechste und um die neunte Stunde
ging der Gutsherr wieder hinaus
und machte es ebenso.
6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging,
traf er wieder einige, die dort standen.
Er sagte zu ihnen:
Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 8Als es nun Abend geworden war,
sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den Letzten,
bis hin zu den Ersten!
9Da kamen die Männer,
die er um die elfte Stunde angeworben hatte,
und jeder erhielt einen Denár.
10Als dann die Ersten kamen,
glaubten sie, mehr zu bekommen.
Aber auch sie erhielten einen Denár.
11Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn
12und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet
und du hast sie uns gleichgestellt.
Wir aber
haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.
13Da erwiderte er einem von ihnen:
Freund, dir geschieht kein Unrecht.
Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart?
14Nimm dein Geld und geh!
Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
15Darf ich mit dem, was mir gehört,
nicht tun, was ich will?
Oder ist dein Auge böse,
weil ich gut bin?
16So werden die Letzten Erste sein
und die Ersten Letzte.

Die unverständliche Abrechnung

Fast immer lassen uns die Gleichnisse Jesu etwas ratlos zurück. Vom spontanen Empfinden würden wir sagen: Ja, eigentlich hat der Arbeiter der ersten Stunde recht, wenn er sich beschwert. Der Lohn muss sich nach den geleisteten Arbeitsstunden richten. Sonst gibt es ein völliges Durcheinander.
Um Jesus zu verstehen, dürfen wir uns an ein anderes Gleichnis erinnern, an das vom verlorenen Sohn. Sie handelt von einem jungen Mann, dem es zu Hause langweilig ist und der die große Welt erleben will und dabei kläglich scheitert. Als er heimkehrt, kennt sich sein Vater vor Freude nicht mehr, sein Bruder jedoch erlebt die Situation ganz anders.
Das andere Denken
Da ergibt sich eine Linie von dem murrenden Arbeiter zum Unmut des älteren Sohnes, der keinen Anlass zum Feiern sieht. Seinen jüngeren Bruder hatte er schon längst abgeschrieben. Für ihn ist er nichts als ein skrupelloser Schmarotzer, ein Taugenichts, der nur auf Kosten anderer lebt, der das hart erarbeitete Vermögen durchgebracht hat.
Für das, was der Vater mit ihm jetzt anstellt, für den Aufwand einer Wiedersehensfeier hat er kein Verständnis. Nicht so das Denken Jesu. Er kommt zu ganz anderen Ergebnissen, zu völlig unerwarteten und unverständlichen. Aber gerade im Überraschenden, Ungewohnten, Paradoxen ist die Wahrheit seiner Aussage enthalten. Die erste Lesung des heutigen Sonntags bestätigt diese Sicht: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken / und eure Wege sind nicht meine Wege - / Spruch des Herrn"(Jes 55,8).
Wir sollten auf eines hingewiesen werden: Jesus erlebt und spricht aus einer Perspektive, die in der Welt unseres Alltags und unserer Arbeit nicht üblich ist.
Versuchen wir, uns in seine Denkweise hineinzuversetzen.
Man kann sie dann wahrnehmen, wenn sich das, was „Glaube" genannt wird, zwischen ihm und einem Mann oder einer Frau ereignet, wenn eine Begegnung stattfindet, die nicht nur den Bittenden, sondern ebenso ihn selbst ergreift.
Der Funke, der überspringt
Es fällt auf, dass solche Erzählungen immer damit enden, dass Jesus den Glauben der Bittsteller lobt, und damit sagt, dass er selbst der Beschenkte ist. Jesus hat eine hohe Sensibilität für das, was in einem Menschen vorgeht. Er spürt sofort das Echo seiner Ausstrahlung. Mit den Worten eines Mystikers gesagt: er spürt den Funken Gottes, der übergesprungen ist. Dies ist für Jesus so wunderbar, so groß und schön, dass alles, was immer die Vergangenheit dieses Menschen war, wie ausgelöscht ist. Jeder Einzelne ist für ihn eine unantastbare, sogar unschätzbare Kostbarkeit. In diesem einen Punkt werden alle gleich. Es ist der Kern dessen, was in dem einen Denar, im gleichen Lohn für alle, anklingt.
Denken wir auch an Ereignisse in unserem Leben, die für uns kostbar und unvergesslich wurden. Die Älteren unter uns werden sich an manche Szene nach dem Krieg erinnern, als der Vater oder der Bruder aus Krieg und Gefangenschaft heimkam. Oft geschah es, dass selbst ein sonst hartes Gesicht weinte aus Ergriffenheit, aus Freude über das überstandene Leid. In jedem Leben gibt es Ereignisse, in denen die Welt wie umgestürzt erfahren wird, wo alte Lasten abfallen. Was uns gequält hat, was wir auf- und abrechnen wollten, was uns nicht losließ, ist in einem Moment wie weggeschmolzen. Damit ist eine andere Ebene des Bewertens, der Prioritäten und Entscheidungen erreicht. Es öffnet sich ein neues Beziehungsfeld, auf dem das Gesetz nur relativ gilt, ebenso wenig Konventionen und öffentliche Meinung eine Rolle spielen. Solche Ereignisse, in denen die bisherige Lebensgeschichte aufgehoben und umgeschrieben wird, hat Jesus in seinen erfundenen Erzählungen vor Augen. Es ist das unverhoffte Glück der Umkehr und der Begegnung mit Gott

Erste werden
 Gerade solche, deren Leben nicht geradeaus verlief, sieht Jesus als die besten Empfänger seiner Botschaft. Da spielt es keine Rolle, was vorher war. Da wird jenes Wort von den "Zöllnern und Dirnen, die eher in das Reich Gottes kommen"(Vgl.Mt21, 31) verständlicher.
Man darf aber auch alle auf der rechten Seite sehen, die in den so genannten Verirrungen unserer Zeit eher die Not als den bösen Willen der Menschen sehen und darunter leiden. Man kann treu zum Überlieferten stehen und zugleich Entdeckerfreude und Wachheit dafür entwickeln, was echt und wertvoll an den neuen Wegen ist. Die Botschaft Jesu fällt auf unterschiedlichen Boden, wie es in einem früheren Gleichnis dargestellt wird. Das Tröstliche ist, dass jeder die Möglichkeit hat, fruchtbar zu werden und zu den Ersten zu gehören, die -wie es schien - die Letzten waren.

Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.
Fürbitten vgl. S. 810 ff.
Zur Eucharistiefeier Sich daran freuen, dass es anderen gut geht, akzeptieren können, dass andere besser oder erfolgreicher sind - da stehen wir uns manchmal selbst im Weg. Die Güte Gottes sprengt menschliches Messen und Vergleichen. Und er freut sich über jeden, der seine Gaben als Geschenk annimmt.
Gabengebet
Herr, unser Gott, nimm die Gaben deines Volkes an
und gib, dass wir im Geheimnis
der heiligen Eucharistie empfangen,
was wir im Glauben erkennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation, S. 431 ff.
Kommunionvers
Ps 119 (118), 4-5
Herr, du hast deine Befehle gegeben, damit man sie genau beachtet.
Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet,
deinen Gesetzen zu folgen.
Oder:Joh 10, 14
So spricht der Herr:
Ich bin der gute Hirt, ich kenne die Meinen,
und die Meinen kennen mich.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott, du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für den Tag und die Woche
Was ist für dich Leben?

Was macht das Leben lebenswert? Wenn du mit dem Apostel sagen könntest „Leben ist für mich Christus", wie würdest du dann deine jetzige Situation erleben? Wie würdest du umgehen mit den Verletzungen, die du erfahren hast und immer wieder neu erfährst? Wie würdest du mit deiner Krankheit oder mit der Angst vor dem Krankwerden zurechtkommen? Wie würdest du deine depressiven Stimmungen, deine Enttäuschungen, deine Ängste erleben? Bitte Gott, dass er dir die Erfahrung des heiligen Paulus schenken möge und dir Christus als der eigentliche Grund deines Lebens aufgeht. Dann wird sich vieles für dich relativieren, was dir momentan noch so wichtig erscheint. Und du wirst eine innere Freiheit spüren allem gegenüber, was täglich auf dich einströmt. (Anselm Grün)
 
Bei dir Hörst du mich, Gott? Noch nie im Leben sprach ich mit dir ... Doch heute, heut will ich dich begrüßen. Du weißt, von Kindertagen an sagte man mir, dich gebe es nicht. Und ich, ich glaubte es, Narr, der ich war. Die Schönheit deiner Schöpfung ging mir niemals auf.
Doch heute Nacht nahm ich ihn wahr, vom Grund des aufgerissenen Kraters, den Sternenhimmel über mir. Und ich verstand staunend sein Gefunkel ...
Ich weiß nicht, Herr, ob du mir die Hand reichst, doch will ich es dir sagen, und du wirst mich verstehen: dies Wunder, dass mitten in der schauerlichen Hölle das Herz mir leicht wurde und ich dich erkannte. Sonst weiß ich dir nichts zu sagen, nur, dass ich froh wurde, als ich dich erkannte. Mir war so wohl bei dir. (Gebet eines russischen Soldaten, das ein deutscher Sanitäter in der Tasche des Gefallenen fand)